DEBATTE / Teller – Tank

Von Sündenböcken und politischem Aktionismus.

In der öffentlichen und veröffentlichten Meinung sind Biokraftstoffe zuletzt aufgrund falscher oder verzerrter Annahmen zunehmend als Problem angesehen worden. Tatsächlich sind sie Teil der Lösung: Sowohl was die Ernährungssicherung weltweit als auch was den Umweltund Klimaschutz angeht. Im Folgenden finden Sie kurz zusammengefasst wichtige Fakten und Hintergründe zur aktuellen Diskussion:

Steigende Preise: Wer ist schuld?

In Zeiten steigender Agrarpreise auf den Weltmärkten ist die Suche nach einem Sündenbock populär. Gerade die Biokraftstoffhersteller müssen sich dann einer verlockend einfachen Kausalkette stellen: Angeblich fegen sie die Weltmärkte leer – mit der Folge explodierender Nahrungsmittelpreise. Das Argument hält der Realität nicht Stand. Nach Angaben der Welternährungsorganisation FAO werden lediglich 2 Prozent der weltweiten Ackerfläche für Biomasse zur Herstellung von Biokraftstoffen genutzt.

Politischer Aktionismus beruhigt die Märkte nicht – Biokraftstoffe stabilisieren den Markt.

Wenn die unruhige Marktsituation und Preisvolatilität in den vergangenen Jahren etwas gezeigt hat, dann dies: Ein direkter Zusammenhang von erhöhtem Bioenergiebedarf und höheren Rohstoffpreisen ist nicht nachweisbar.

Dafür ist der Weltmarkt zu interdependent und der Marktanteil der Bioenergie- und Kraftstoffproduktion zu gering. Eine Politik, die von kurzfristigem Aktionismus geprägt ist und Biokraftstoffquoten nach unten zu drücken versucht, greift zu kurz. Tatsächlich bedarf es gezielter Reglementierungen auf einzelnen Märkten sowie dem intelligenten Einsatz von Biokraftstoffen quasi als „Nahrungsmittelreserve“ bei Dürren und in Notzeiten. Diesen Vorteil können übrigens nur Biokraftstoffe bieten, die aus agrarischen Rohstoffen, die auch für die Produktion von Nahrungsmitteln eingesetzt werden können, hergestellt werden. Damit haben Biokraftstoffe der 1. Generation einen entscheidenden Vorteil!

Mehr im Tank, im Trog und auf dem Teller!

Das Beispiel Raps macht deutlich, was viele nicht im Blick haben: Nur der kleinere Teil der Rapssaat, nämlich das Öl (ca. 40 Prozent), kann dem Energiesektor zufallen und tatsächlich in den Tank fließen. Das Kuppelprodukt Ölschrot macht mit ca. 60 Prozent den größeren Anteil der Rapssaat aus. Als Proteinlieferant in der Nutztierfütterung fällt das Ölschrot somit dem Lebensmittelsektor zu – und vermindert außerdem die Abhängigkeit von Sojaschrotimporten. Damit steht die wachsende Biokraftstoffproduktion nicht in Konkurrenz zur Ernährung. Im Gegenteil: Sie unterstützt die Selbstversorgung mit Eiweißfutter in Deutschland.

Am Rande: Der wiederkehrende Vorwurf der „Monokultur Raps“ ist, gelinde gesagt, absurd: Gerade Raps leistet einen sehr positiven Beitrag zur Fruchtfolge und wird eben nicht Jahr ein, Jahr aus auf demselben Feld gepflanzt.

Biokraftstoffe werden immer noch unterschätzt.

Biokraftstoffe sind hinsichtlich ihres CO2-Einsparungspotenzials unterbewertet: Als Referenzgröße für Treibhausgaseffekte wird bisher ein Standardwert für mineralische Öle verwendet. Außer Acht gelassen wird dabei, dass die Biokraftstoffproduktion den so genannten „Marginal Oils“ – der Förderung von Öl z. B. aus Teersanden oder Ölschiefer – entgegen wirkt. Marginal Oils sind mit vielfach höheren CO2-Emissionen und massiven Eingriffen in die Umwelt verbunden als die konventionelle Erdölförderung. Das Ersetzen von Marginal Oils durch Biokraftstoffe auf dem Weltmarkt ist ein wichtiger Faktor, der bisher bei der Berechnung der CO2-Bilanz von Biokraftstoffen unberücksichtigt bleibt.