Teller, Trog und Tank

Die nächste Generation darf nicht Geisel der Energiequellen des vergangenen Jahrhunderts sein

Barack Obama (Präsident, USA)

Energie / Biokraftstoffe

Der weltweite Umwelt- und Klimaschutz steht ganz oben auf der Agenda, wenn es um die Energieversorgung der Zukunft geht. Biokraftstoffe leisten dazu als nachwachsende Energieträger einen wichtigen Beitrag. Allein in Deutschland konnten 2015 die CO2 - Emissionen um rund 6,7 Millionen Tonnen (BLE-Bericht) gesenkt werden. Mit den richtigen politischen Rahmenbedingungen auf europäischer und globaler Ebene ließe sich mit Biokraftstoffen noch mehr erreichen.

Die Ausgangslage: Biokraftstoffe auf Pflanzenölbasis leisten den weitaus größten Beitrag zur Erreichung der EU-Klimaziele: Bis 2020 soll ein Fünftel unseres Energiebedarfs aus erneuerbaren Quellen gedeckt werden. Im Verkehr sollen 10 Prozent der genutzten Energie aus erneuerbaren Energiequellen stammen. Und gerade hier tragen Biokraftstoffe entscheidend dazu bei, dass die Ziele der EU verwirklicht werden: Als Kraftstoff für den größten Teil des erdölabhängigen PKW-Verkehrs, für schwere Nutzfahrzeuge, Flugzeuge und den Schiffsverkehr sind sie im großen Maßstab auf unabsehbare Zeit die einzige Alternative zu fossilen Brennstoffen.

Für lange Zeit waren Biodiesel und Bioethanol politisch gewollt und wurden entsprechend gefördert. Parallel dazu haben die EU-Kommission und die Bundesregierung mit verbindlichen Kriterien sichergestellt, dass der Anbau der Rohstoffe unter Einhaltung ökologischer Standards geschieht. Im Rahmen der Anpassung der europäischen Biokraftstoffgesetzgebung wurde der Anteil der Biokraftstoffe aus Anbaubiomasse auf 7 Prozent des Erneuerbare-Verkehrszieles gedeckelt um damit die Ausweitung der 1. Generation Biokraftstoffe zu begrenzen. Aber auch bei dem Einsatz von Rohstoffen, die nicht (mehr) für die Ernährung eingesetzt werden können, die sogenannten Biokraftstoffe der 2. und 3. Generation, entstehen Probleme: bei Verfügbarkeit, Wettbewerbsfähigkeit und Umweltverträglichkeit. Für Abfall- und Reststoffe besteht bereits ein Markt, so dass es hier zu Verzerrungen käme. Andere haben nicht nur einen ökonomischen, sondern auch agronomischen Wert oder sind schlicht aufgrund hoher Kosten nicht wettbewerbsfähig. Tatsächlich sind Biodiesel und Bioethanol die derzeit einzigen praktikablen Alternativen zu fossilen Kraftstoffen.

Die Kehrtwende in der europäischen Energiepolitik soll dem Zweck dienen, auf globaler Ebene indirekte Landnutzungsänderungen der Herstellung von Biokraftstoffen zu verhindern. Die Vorschläge gehen jedoch an der guten Absicht vorbei. Regenwaldrodungen in Drittstaaten für europäische Biokraftstoffe werden bereits durch Nachhaltigkeitskriterien verhindert. Das Phänomen, dass schützenswerte Gebiete für andere Verwendungszwecke gerodet werden, löst die Kehrtwende der EU in Sachen Biokraftstoffpolitik nicht – stattdessen entziehen sie der europäischen Biokraftstoffindustrie den Boden. Global wirksame Nachhaltigkeitsstandards und Zertifizierungsmechanismen entlang der gesamten Verarbeitungskette, flankiert von politischen Maßnahmen wie bilateralen Abkommen über Landnutzung in einzelnen Drittstaaten wären ein besserer Weg, um das Problem effektiv anzugehen.